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Tiergestützte Therapie

Als Familientherapeutin habe ich viele Jahre in Berlin mit Familien gearbeitet, die schwere Probleme hatten. In den meisten Familien, mit denen ich arbeitete, gab es Haustiere, die häufig während der Gespräche eine ganz wichtige Rolle übernahmen: nämlich die eines Helfers und Vermittlers in der oft schwierigen Anfangsphase einer Therapie oder in Situationen, wo den Klienten oder auch der Therapeutin das Sprechen über ein Thema nicht so leicht war. Es gab Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hasen, Vögel.
Besonders Hunde und Katzen, die selbständig in der Wohnung herumlaufen konnten, kamen während der Gespräche häufig zu uns, wurden gestreichelt und dienten als „Icebreaker“, wenn man sich noch fremd war oder das Gespräch stockte. Über die Tiere konnten wir uns immer unterhalten. Ohne es zu benennen, habe ich „tiergestützte Therapie“ angewandt.

Seit gut einem Jahr arbeite ich mit Lamas. Für Nordpommeraner sind Lamas ziemlich exotisch, in Süddeutschland z.B. sind sie viel bekannter. Es gibt bereits viele Einrichtungen, die Lamas als Helfer der Therapeuten einsetzen und damit gute Erfolge erzielt haben. Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Problemen sowie bei erwachsenen Suchtpatienten hat der Kontakt mit Lamas eine große therapeutische Wirkung. Lamas sind von ihrem Wesen her dem Menschen zugewandt und neugierig. Sie haben ein sehr weiches Fell und grazile Bewegungen. Ihre Lautäußerungen sind sanft. Sie spucken (im Normalfall) nicht auf Menschen. Lamas besitzen eine hohe soziale Intelligenz. Sie stellen sich auf die Menschen ein, mit denen sie Kontakt haben.
Zielgruppen für eine Lamagestützte Therapie sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die z.B. ein Suchtproblem haben, die geistig behindert sind, auch Rollstuhlfahrer, alte Menschen, die keinen Lebensmut mehr haben, verhaltensgestörte Kinder, übergewichtige Menschen (die kommen in die Bewegung), mißhandelte und vernachlässigte Kinder und Jugendliche und viele mehr.

Ein Tier kann einen Therapeuten nicht ersetzen, es kann jedoch den Weg zum therapeutischen Gespräch ebnen, es kann die erste Hürde zu überbrücken helfen, es kann als Empfänger von Botschaften fungieren, wenn der Therapeut (noch) nicht angesprochen wird. Einem Tier kann mancher Mensch sein Herz ausschütten und ihm von seinen (seelischen) Wunden erzählen. Das Tier ist die Brücke vom Klient zum Therapeut, vom Menschen zum Menschen.

Neben der Therapie gibt es auch die Tiergestützte Aktivität. Da trifft man sich, um einige Zeit mit Tieren zu verbringen, lernt ganz viel über die Tiere, (Haltung, Fütterung, Pflege, Umgang) und ist stolz, sein neues Wissen auch anderen Menschen zu präsentieren ( Steigerung des Selbstwertgefühls). Durch die Teamarbeit (Mensch und Tier und Mensch und Mensch) steigt die soziale Kompetenz, auch die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu und man kommt in die Bewegung. Und wenn man ein Lama umarmt und sein Gesicht in das weiche Fell drückt, den Duft atmet und wenn es an der Nase kitzelt, dann hat man ein wonniges Glücksgefühl.